Wann ist ein Gulasch ein Gulasch?

Wann ist ein Gulasch ein Gulasch?

Andreas hat mein Rezept für Gulasch im Schnellkochtopf kommentiert. Andreas kommt aus Wien und legt Wert auf die Feststellung, dass dies eigentlich ein einfaches Rezept ohne Rotwein und anderem pipapo ist:

Das ist kein Gulasch. Gulasch ist ein einfaches Rezept ohne Wein und pipapo. Gruß aus Wien.

Ich kann das natürlich nicht so unkommentiert stehen lassen:

Vielen Dank für deinen Kommentar hier auf meiner Seite. Es ist natürlich dein gutes Recht, das Gulasch ohne die Zuhilfenahme von Rotwein und pipapo zuzubereiten. Aber, und da bleibe ich bei meiner Meinung, ist mein Rezept ein Gulaschrezept. Und das nicht nur weil es gerade so heißt. Es steht nirgendwo geschrieben, dass ein junges Gulasch durch den Zusatz von Rotwein jegliche Aussicht verliert, ein ausgewachsenes Gulasch zu werden. Und was das PiPaPo angeht – Das Gericht gibt es selbst bei den Erfindern, die in Ungarn zu finden sind, in so vielen Variationen, dass es wohl kaum DIE Definition gibt. Ich wage daher die (nicht allzu) kühne Spekulation, dass dein Rezept ohne Rotwein und PiPaPo auch nur eine der dieser Variationen ist. Wobei der Gebrauch des Wortes “nur” keinerlei Einschränkung an der Daseinsberechtigung des Rezepts sein soll.

Gut – Gulasch ist auch in Wien verbreitet. Jedenfalls verliert Wikipedia im entsprechenden Beitrag einige Worte darüber:

In Wien ist das Gulasch ein klassisches Wirtshausgericht, das sich allerdings auch auf der Speisekarte vieler Restaurants gehobener Klasse findet. Üblicherweise werden sowohl ein kleines als auch ein großes Gulyas angeboten. (wikipedia)

Ich kann jetzt nicht von mir behaupten, jemals ein Gulasch in Wien gegessen zu haben, weshalb ich mich jeglicher Meinung über die Ausprägung des Gulaschgedankens in der Wiener Szene enthalte.

Rindfleisch mit Zwiebeln und Paprika - Grundlage eines guten Gulasch
Wieviel Pi-Pa-Po darf’s denn sein beim Gulasch?

Mir scheint jedoch, dass die Frage “Gulasch oder kein Gulasch?” durchaus das Potential in sich birgt, Glaubenskriege auszulösen. Vergleichbar mit dem Browserkrieg oder dem gemeinen Rechts-Links-Verkehr-Krieg, den die total von der Muffe gepufften Briten sang- und klanglos verlieren dürfen.

Meiner Meinung nach gibt es keine allgemein gültige allumfassende Definition. Man müsste einmal einen Ungarn fragen. Oder am besten gleich zwei oder drei oder noch mehr. Aus verschiedenen Ecken dieses wunderbaren Landes, in welchem so etwas überaus Schmackhaftes entdeckt werden konnte. Außerdem gibt’s verdammt schweren Rotwein dort. Ich weiß das, denn ich habe roten Tokajer schon in solchen Mengen genießen dürfen, dass ich die Schwere des Rotweins körperlich spüren konnte.  Manchmal heute noch. Hier habe ich übrigens einen weißen Tokaj gefunden, der mir schon sehr empfohlen wurde. Ich habe ihn leider noch nicht verkosten dürfen. Wenn du, lieber Leser, vielleicht die Muße hast, diesen Wein direkt an meine Adresse liefern zu lassen, werde ich einen tiefen genießerischen Schluck auf dein ganz spezielles Wohl trinken. Vielen Dank auch!

Tja – was bleibt ist nicht etwa eine Verunsicherung hinsichtlich meiner Definition, sondern eher eine Herausforderung. Es gibt ganz offensichtlich zahllose Rezepte, die mal mit, mal ohne Rotwein, mit oder ohne PiPaPo zubereitet werden. Aber welche Rezepte sind das nun? Und was um Himmels Willen ist PiPaPo?

Deine Meinung ist gefragt. Gib dir einen Ruck und kommentiere diesen Artikel. Wann ist für dich ein Gulasch ein Gulasch? Welche PiPaPos sind unverzichtbar?

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6 thoughts on “Wann ist ein Gulasch ein Gulasch?”

  • Bei uns gibt es das Menü 18 aus der aktuellen Beef:
    Gang 1: Gebeizte Entenbrust mit Salat von Bergerbsen, Paranüssen und Kugelfeigen
    Gang 2: Gebundene Ochsenschwanzsuppe mit Kleinen Knusperrollen
    Gang 3: Sauerbraten vom Hirschrücken in Schokoladen-Holunder-Sauce mit Chicorée und Buchweizenknödeln
    Gang 4: Orangencremesauce zu Mininapfkuchen mit getrockneten Sauerkirschen und Zedernkernen

  • Ich habe in meinem Leben schon viele Arten von Gulasch gegessen. Aber den diversen Gulaschvariationen den Namen zu verweigern, halte ich schon für eine sehr übertriebe und nicht nachvollziehbare Reaktion aus Wien.

    Danke übrigens für den Tipp zum Oremus Tokaj Aszú 3 Puttonyos, den habe ich mir gerade bestellt, da er perfekt zu meinem Weihnachtsmenü passen dürfte.

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